Medizinische Pionierleistung im Oberwallis

Seit ihrer Gründung im Jahr 1968 durch Beat Perren war die Air Zermatt AG ein Unternehmen mit Pioniergeist. Als erste Luftrettung der Schweiz arbeitete sie mit einem festen Arzt auf der Basis. Seit 1984 erledigen Fachärzte für Anästhesie/Intensiv den Notarztdienst. Diese haben zusätzlich eine Ausbildung in Gebirgsmedizin und Rettungstechnik und beherrschen die Taktik für Windenoperationen oder Long-Line.

In der interdisziplinären Notfallstation des Spitalzentrums Oberwallis werden pro Jahr über 15‘000 Patienten versorgt. Viele dieser Patienten mit Verletzungen unterschiedlicher Schweregrade, welche sie sich im Gebirge zugezogen haben oder Erkrankungen die mit dem Aufenthalt in alpinen Höhenlagen zusammenhängen, werden durch die Air Zermatt in die Notfallstation nach Visp gebracht, eine Zusammenarbeit die sich seit vielen Jahren bewährt und zum Nutzen der Patienten stetig verbessert wird.

Nun lancieren die Air Zermatt und das Spitalzentrum Oberwallis gemeinsam die nächste Neuheit:

Als erste Luftrettung im Alpenraum wird die Air Zermatt Schwerstverletzten mit viel Blutverlust ab Januar 2017 schon im Flug Universalspenderblut der Gruppe “Null negativ“ transfundieren. Da die Lagerung von Blutkonserven sehr aufwendig ist, kann die Durchführung dieser Notfalltherapie nur in Zusammenarbeit mit einem leistungsfähigen Notfallspital ermöglicht werden, das über eine Blutbank mit „Null negativ“ verfügt. Das Spitalzentrum Oberwallis SZO wird am Standort Visp dieses Universalblut bereitstellen und bei einem Notfall durch das Fachteam Labor direkt auf dem Dach des Spitalzentrums Oberwallis dem Rettungsteam der Air Zermatt übergeben.

Seit zehn Jahren verwendet das amerikanische Militär dieses Verfahren bei Kampfeinsätzen an. Durch die Anwendung der Blutkonserven stiegen die Überlebenschancen der Verletzten eklatant. Auch im zivilen Bereich wird bei Rettungen die Technik bereits angewandt, zum Beispiel wenn ein Lastwagen-Fahrer bei einem schweren Verkehrsunfall eingeklemmt ist, nur schwer geborgen werden kann und viel Blut verliert.

In der Luftrettung nutzen Rettungsunternehmen in den USA, in Kanada, Australien, Südafrika und England (London Air Ambulance) die „Null-negativ-Transfusion“.

Studien der US-Army und der London Air Ambulance haben ergeben, dass die Überlebensrate Schwerstverletzter durch frühzeitige Transfusion von Blutkonserven stark steigt. So konnte die Gefahr, in einen Schockzustand zu geraten, um 75 Prozent reduziert werden – die des tödlichen Ausgangs innerhalb der ersten 30 Tage um 37 Prozent.

Gemäss Schätzungen der Air Zermatt AG und des Spitalzentrums Oberwallis wird man mit dieser neuen Einsatzmethode rund 10 bis 15 schwerverletzten Patienten im Oberwallis pro Jahr helfen können. Über einen Zeitraum von zehn Jahren können somit die Überlebenschancen von 100 bis 150 Verunfallten deutlich verbessert werden.

Die Entscheidung für die Transfusion trifft der Notarzt der Air Zermatt an der Unfallstelle – in Abhängigkeit vom Schweregrad der Verletzungen und des zu erwartenden Blutverlustes.

Die Anforderung des „Universalspenderblutes“ erfolgt über Funk an die 144 und weiter an die Blutbank des Spitals in Visp.

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