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«Ein unheimliches Vertrauensverhältnis»
Ein Rückblick von Dr. Axel Mann

Axel Mann, ehemaliger Leiter des Ärztlichen Dienstes bei der Air Zermatt, hat dem Helikopterunternehmen sein Wissen und Können während 38 Jahren zur Verfügung gestellt. In all dieser Zeit hat der Doktor zig spannende, lustige und traurige Geschichten gesammelt, welche wir euch keinesfalls vorenthalten möchten. Einen Einblick in den Alltag der Rettungscrew, welcher abwechslungsreicher nicht sein könnte.

16. Mai 2022
Céline Bader
Helikopter Rettung Air Zermatt

Dr. Axel Mann betreut einen Patienten.

Wir haben bei Axel Mann noch einmal nachgegraben und seine prägendsten Erlebnisse auf Blatt gebracht. Viele dieser Momente haben nicht nur die Laufbahn des Facharztes für Anästhesie/Intensiv verändert, sondern auch den Betrieb der Air Zermatt selbst revolutioniert.

Axel Mann kam 1983 für sein Bewerbungsgespräch nach Zermatt. Der damals gerade mal 30-Jährige aus Freiburg im Breisgau konnte bereits seinen abgeschlossenen Facharzttitel vorweisen und bekam die Stelle nach dem Gespräch mit dem Gründer der Air Zermatt, Beat Perren, prompt. Dies hatte Axel seiner bereits gesammelten Erfahrung im Hochgebirge, aber auch seinem Know-How in der Anästhesie- und Intensivmedizin trotz seines jungen Alters zu verdanken.

Bereits 1984 wurde er zum Leiter des Ärztlichen Dienstes ernannt und im gleichen Atemzug wurde der Ärztepool, wie er heute noch besteht und bewährt ist, gegründet. «Ursprünglich hatte man mir eine Festanstellung angeboten», erklärt der Facharzt. «Für die ärztliche Arbeit bei der Air Zermatt sind Übung und Routine allerdings unerlässlich. Diese muss im Operationssaal oder auf einer Notfallstation trainiert werden.» Mit diesem Gedanken entstand damals das sogenannte Rotationssystems, welches sich auch heute noch bewährt.

Rotierender Ärztedienst 

Rund 35 Ärzte kommen jährlich für drei bis vier Wochen nach Zermatt, um ihren Dienst zu leisten. Die Anforderungen dafür sind jedoch alles andere als ein Zuckerschlecken: «Unsere Notfallärzte sind alle durch persönliche Referenzen zur Air Zermatt gekommen. Nebst dem Facharzttitel für Anästhesie/Intensiv sowie einer Ausbildung in der Gebirgsmedizin benötigen die Notfallärzte auch Erfahrung im Helikopterbetrieb: «Man kann nicht riskieren, dass ein Arzt den höheren Adrenalinspiegel hat als der Patient selbst, wenn man in die Luft abhebt.»

Durch die Pionierarbeit der Air Zermatt, die aussergewöhnlichen Rettungsmanöver und die vielseitigen Einsätze eilte der Ruf der Air Zermatt ihrer selbst voraus. «In den letzten Jahren meiner Tätigkeit konnte ich mir die Rosinen aus dem Kuchen picken und ein Team an fachkompetenten, spezialisierten und hochbelastbaren Ärzten zusammenstellen.»

«Man kann nicht riskieren, dass ein Arzt den höheren Adrenalinspiegel hat als der Patient selbst»

Belastbar müssen diese denn auch sein: «Bei unseren Einsätzen hängt oft viel auf dem Spiel. Nicht nur für den Patienten, sondern auch für die gesamte Rettungscrew. Spalten- und Gebirgsrettungen bergen Risiken und es gilt in jeder Situation, einen kühlen Kopf zu bewahren. Etwas, womit Axel Mann seit Beginn seiner Karriere als Anästhesiearzt nie Mühe hatte: «Medizinische Notfälle überfordern mich nie. Wenn wir an unsere Grenzen kommen, liegt es an der topografischen Herausforderung oder an den Wetterbedingungen.»

Das Zusammenspiel zwischen Piloten, Rettungssanitäter und Arzt muss demnach auch zwingend ein Hand-in-Hand-Spiel sein. Für Reibungen und Missverständnisse ist in einer Notsituation keinen Platz. Axel Man pflegt eine spezielle Beziehung zu den Piloten: «Es ist ein unheimliches Vertrauensverhältnis.»

Hier hat sich der abtretende Leiter des ärztlichen Dienstes eine Regel aufgestellt: «Niemals Druck auf den Piloten ausüben. Auch wenn die Zeit drängt und es um Leben und Tod geht. Die eigene Sicherheit steht zu jedem Zeitpunkt im Vordergrund.»

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