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Air Zermatt, Rescue Stories, Helicopter

© Nathalie Taiana 

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«Im Eisgefängnis» - Ein Rückblick von Dr. Axel Mann

Axel Mann, ehemaliger Leiter des Ärztlichen Dienstes bei der Air Zermatt, hat dem Helikopterunternehmen sein Wissen und Können während 38 Jahren zur Verfügung gestellt. In all dieser Zeit hat der Doktor zig spannende, lustige und traurige Geschichten gesammelt, welche wir euch keinesfalls vorenthalten möchten. Einen Einblick in den Alltag der Rettungscrew, welcher abwechslungsreicher nicht sein könnte.

20. Oktober 2022
Céline Bader

Wir haben bei Axel Mann noch einmal nachgegraben und seine prägendsten Erlebnisse auf Blatt gebracht. Viele dieser Momente haben nicht nur die Laufbahn des Facharztes für Anästhesie/Intensiv verändert, sondern auch den Betrieb der Air Zermatt selbst revolutioniert.

Spaltenrettungen stellen die Rettungscrew jeweils vor eine gewaltige Herausforderung. Allein für den Anflug von sämtlichem technischem Material, von Bohrhammer über Dreibein bis hin zur Besatzung, ist oftmals mehr als ein Helikopter nötig. Da es sich bei den Betroffenen nicht selten um Unterkühlungspatienten handelt, ist der Aufwand gross, die Zeit knapp. Immer wieder kommt es zum Herz-Kreislauf-Stillstand. 

Air Zermatt Helikopter Rettung

© Daniel Berchtold

Zu berichten hat Axel Mann von einem sehr erfolgreichen Einsatz, welcher sich ebenfalls einige Jahre zuvor ereignet hatte. Bei äusserst ungünstigen Wetterbedingungen aufgrund starker Windböen wurde die Rettungscrew zu einem Einsatz einer Spaltenrettung gerufen. Der Unfall ereignete sich innerhalb einer Gruppe von Alpinisten, welche auf 4200 Metern auf dem Dom unterwegs waren. Der verunfallte Italiener war in eine enge Spalte 19 Meter in die Tiefe gestürzt und zur Rettung wurde diverses Bergungsmaterial benötigt.

Der Unfall ereignete sich um 12 Uhr mittags. „Durch die eigene Körperwärme ist der Betroffene immer weiter eingeschmolzen und in der Spalte tiefer hinabgerutscht. Der Eisabraum konnte durch die Enge nicht ablaufen, wodurch dieser mühsam mit Eimern zurück nach oben transportiert werden musste. Ein Wettlauf mit der Zeit“, erinnert sich Axel Mann an die Operation in der Spalte. Die Bergungscrew, welche parallel einen Rettungskanal fräsen musste, konnte jedoch Kontakt zum Verunfallten aufnehmen und die Kommunikation halten, bis dieser zwischen drei und vier Uhr nachmittags sein Bewusstsein verlor. Dies lies den Arzt darauf schliessen, dass sich die Körpertemperatur bereits unter 30 Grad befand.

«Es war ein Wettlauf gegen die Zeit»

Schlussendlich ist der Verunfallte von 19 auf 41 Meter abgesunken. Die Bergungsaktion durch die Bergungscrew wurde unter härtesten Bedingungen durchgeführt und dauerte bis um 18 Uhr. Dann konnte der Patient mit einer Körperkerntemperatur von gerade Mal 16 Grad geborgen werden: „Das war damals weltweit die tiefste Körpertemperatur, die je gemessen wurde“, erinnert sich Dr. Mann.

Er und sein medizinisches Team übernahmen den hypothermen Patienten mit einem Herz-Kreislaufstillstand und flogen in unter Reanimationsbedingungen direkt ins Inselspital nach Bern, wo er an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen und über 24 Stunden hinweg aufgewärmt wurde.

„Bereits nach drei Tagen war der Betroffene so weit ansprechbar, dass er von der Intensiv- auf die normale Station verlegt werden konnte. Nach zehn Tagen wurde der Patient ohne körperliche Schäden entlassen. Und als ob dieses Ereignis nicht schon unfassbar genug wäre, hat er nach drei Monaten die Intensivpflegerin geheiratet.

Glück im Unglück

Und obwohl der Patient offenbar einen riesigen Schutzengel bei sich hatte: dass der Mann heute keine Schäden im Gehirn und ohne cerebrale Folgen weiterleben kann, hat er dem Rettungsteam zu verdanken. „Man kann dem Mann, der Rettungs- und medizinischen Crew wie auch dem Personal aus der Nachversorgung lediglich zu dieser Leistung gratulieren.“ Dank dieser grossartigen Zusammenarbeit sei die Genesung so gut gelungen, meint Axel Mann.

Für ihn sind es Einsätze wie diese, weshalb er sich für seine Berufung entschieden hat: „Diese Rettungseinsätze geben einem eine innere Befriedigung, etwas Sinnvolles geleistet zu haben. Es ist ein schönes Gefühl, als Team jemandem das Leben zu retten.“

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