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Louis Gruber: Von der Baustelle in die Ambulanz

Louis Gruber absolviert bei der Air Zermatt die Ausbildung zum dipl. Rettungssanitäter HF. Die Faszination für das Blaulicht besteht bei ihm ebenso lang wie jene für den Helikopterbetrieb. Im letzten Jahr seiner Ausbildung spricht er über die Sonnenseiten und Hürden im Job und alltägliche Rettungseinsätze, welche für ihn zum Schlüsselerlebnis wurden.

31. August 2022
Céline Bader

Ob bodengebunden oder in der Luft: Rettungssanitäter leisten im Notfall erste Hilfe, versorgen verletzte Personen, kümmern sich um das Wohlbefinden von Kranken und arbeiten Hand in Hand mit den Notärzten zusammen. Drei Jahre dauert die medizinische Ausbildung, in welcher die angehenden Rettungssanitäter in Themen wie Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie und vielen mehr auf ein Optimum vorbereitet werden.

Einer von ihnen ist Louis Gruber. Der 24-Jährige hat ursprüngliche eine Lehre als Maurer absolviert, seine Faszination für Helikopter brachte ihn jedoch kurz nach der Ausbildung zur Air Zermatt. Als Flughelfer war er eineinhalb Jahre auf dem Heliport tätig. «Ich habe die Rettungscrew auf dem Helikopter immer bewundert. Deshalb habe ich auch angefangen, mich über den Beruf des Rettungssanitäters zu informieren.» Aufgrund der grossen Nachfrage gehört auch immer etwas Glück dazu, um bei der Air Zermatt eine Ausbildung beginnen zu können. Dieses war in Louis Fall auf seiner Seite: «In letzter Minute hat es mit dem Ausbildungsplatz in meinem Wunschbetrieb doch noch geklappt und ich konnte im November 2019 mit dem Praktikum starten, ehe im darauffolgenden März die Ausbildung begann.»

Schulstart im Homeoffice: Kein einfaches Unterfangen

Statt des gewöhnlichen Lehrganges machte die Pandemie jedoch auch ihm einen Strich durch die Rechnung. Sein erster Schultag, welcher in Bern hätte stattfinden sollen, wurde bereits digital durchgeführt. Das Online-Schooling sei insbesondere im ersten Lehrjahr eine Challenge gewesen, auch weil der gesamte erste Schulblock gecancelt wurde. Louis liess die Zeit jedoch nicht ungenutzt; durch die ausbleibenden Einsätze bot sich die Möglichkeit, anderweitig Erfahrung zu sammeln. Dies beispielsweise in der Pflege im Spital Visp, wo er auch heute noch als Freelancer arbeitet.

Die Ausbildung zum Rettungssanitäter ist keineswegs ein Zuckerschlecken. Die fehlende Erfahrung im medizinischen Bereich stellte für Louis anfangs die grösste Herausforderung dar. «Im Vergleich zu den ehemaligen medizinischen Praxisassistenten und Fachangestellten Gesundheit hatte ich fachlich einiges aufzuholen. Schliesslich kannte ich mich weder mit der Anatomie, noch mit den diversen Krankheits- und Verletzungsbildern aus», erklärt er. 

Bei der Air Zermatt lernen zu dürfen, sieht der Zaniglaser als grossen Benefit. Obwohl die schulische Ausbildung für Luft- und Bodenrettung identisch ist, profitiert er vom aussergewöhnlichen Alltag des Helikopterunternehmens. «Bei unseren Helikoptereinsätzen ist immer ein Notarzt mit von der Partie. Dieser hat ein noch fundierteres Fachwissen und gibt jeweils wertvolle Tipps mit auf den Weg.» Ebenso schätze er die Kompetenzen, welche ihm gegeben werden und das Niveau der teils anspruchsvollen Rettungen. 

Rettungscrew stärkt sich gegenseitig den Rücken

An seinen ersten Einsatz kann sich der angehende Rettungssani noch genau erinnern: "Die Nervosität war gross und es mangelte mir an Übung und Selbstsicherheit. Die Aufregung vor einer Rettung ist zwar immer noch da, allerdings weiss ich jetzt, was zu tun ist." Die anderen Rettungssanitäter gaben Louis von Anfang an Sicherheit: «Jeder hat sich über die Jahre eine andere Arbeitsweise angeeignet – mitnehmen kann ich von jedem etwas.»

Mittlerweile ist Louis im dritten und damit letzten Ausbildungsjahr angelangt, die Vorbereitungen für das Abschlussexamen sind in vollem Gange. «Momentan geht es darum, die Einsatzführung zu übernehmen und die Abläufe zu festigen. Wir lernen nun, viel verknüpfter zu denken um im Ernstfall optimal und vernetzt handeln zu können.»

Obwohl die Ausbildung anspruchsvoll ist und ihm einiges abverlangte, würde Louis den Weg noch einmal genau so gehen. Gelungene Einsätze bestätigen ihn in seiner Tätigkeit, auch wenn es noch viel zu lernen gäbe: «Wenn die Patienten nach einem Einsatz Danke sagen, hast du einen guten Job gemacht. Diese Dankbarkeit ist in unserem Unternehmen noch gross und wir bekommen die Wertschätzung der Leute zu spüren.» 

Doch wo liegt der Reiz, sich für die Berufung des Rettungssanitäter zu entscheiden? «Die Menschenkenntnisse und auch die Beurteilung von verschiedensten Situationen im Leben verändern sich. Nicht nur während der Arbeit, sondern auch im Privaten. Davon konnte ich bislang nur profitieren.» Durchbeissen war auch während den drei Jahren die Devise. Oftmals habe er sich gefragt, ob er es schaffen würde. Die Befriedigung im Job sei es allerdings wert. Deshalb rät er jedem, der mit dem Gedanken spielt: «Tue es. Du merkst schnell, ob Rettungssanitäter der richtige Beruf für dich ist.» 

Ob er denn bereit ist, nach diesem Jahr seine Stelle als ausgebildeter Sanitäter anzutreten, möchten wir wissen. Louis lacht: «Noch fühlt es sich nicht so an. Aber in diesem Beruf ist man wohl nie ausgelernt und man muss sich ständig weiterentwickeln, um bereit zu sein.»

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