50 Jahre Air Zermatt AG

2018 wird ein besonderes Jahr für die Air Zermatt. Das Oberwalliser Helikopterunternehmen darf das 50jährige Bestehen feiern. Seit der Gründung 1968 bis heute hat die Air Zermatt eine beeindruckende Geschichte erlebt.
Auf dieser Seite werden bis zum Jubiläumswochenende vom 19. + 20. Mai 2018 nach und nach die Meilensteine und einige erwähnenswerte und besondere Ereignisse aufgezeigt.

  • Gründer der Air Zermatt

  • Die Gründung der Air Zermatt

    1968 wird in Zermatt – umgeben von einem Kranz von 29 Viertausender, dem Mekka der Bergsteiger, ein Helikopterunternehmen mit dem Namen AIR ZERMATT AG ins Leben gerufen. Der vorrangige Zweck damals war die rasche Hilfebringung von verunfallten und erkrankten Menschen in den Bergen. Auf einem Felsvorsprung, nördlich des Dorfes gelegen, entsteht ein Heliport. Von hier aus nehmen in der Folge die spektakulärsten Helikopter-Rettungsaktionen in den Schweizer Alpen ihren Anfang.

    Wieder einmal, wie schon öfters, konnte der Rettungshelikopter von Sion aus Wettergründen nicht starten um schwer verletzte Bergsteiger aus dem Zermatter Hochgebirge zu retten. Die Zermatter konnten es fast nicht begreifen, war doch kein Wölkchen am Himmel. Einige Idealisten um Beat H. Perren (Ambulanzwesen), Constantin Cachin (Kurdirektor), Daniel Lauber, Ulrich Imboden (Bauunternehmer) und einige mehr, entschlossen sich Ende 1967 einen Helikopter für Zermatt zu kaufen und einzusetzen. Zum Glück ahnten sie nichts von den zukünftigen Schwierigkeiten…

  • Der erste Heli der Air Zermatt

    Am 01.04.1968 flog der Heli vom Typ Agusta-Bell 206A Jet Ranger von Malpensa nach Bern und am 10.04.1968 nach Zermatt und Täsch, wo er in einer zu kleinen Scheune ein Jahr lang untergebracht war (im Winter auf dem Dach von Dr. Julen mitten in Zermatt). Bereits wenige Tage nach der Stationierung zuhinterst im Mattertal wurde mit dem Jet Ranger mit der Immatrikulation „HB-XCL“ der 1. Rettungseinsatz durchgeführt. Es handelte sich um ein Kind mit einem Beinbruch und als Flugretter amtete der „Chef“ (Beat H. Perren) gleich persönlich.

  • Erster Heli der Air Zermatt AG

  • Alouette III vor dem Spital Brig

  • Der erste Heli mit einer Rettungswinde

    Im Jahre 1969 wird eine Alouette III SA3160 mit der Immatrikulation "HB-XDA" auf dem Heliport in Zermatt stationiert. Es ist der erste, mit einer Rettungswinde ausgerüstete Rettungshelikopter in der Schweiz. Ein Helikopter, der in der Schweizer Luftrettung Geschichte schreiben sollte.
    Von nun an ist die Air Zermatt an vorderster Front mit dabei, den Luftrettungsdienst in der Schweiz aufzubauen. Die Helikopter der Air Zermatt werden von der damaligen Rettungsflugwacht (heute Rega) in der ganzen Schweiz zu Hilfeleistungen aufgeboten. Im Berner-Oberland, in den Kletterbergen der Zentralschweiz, im Tessin und Graubünden sowie im Grenzbereich Italiens sind die Helikopter aus dem Oberwallis im Einsatz.

  • Erste Direktrettung aus der Eigernordwand

    Im September 1970, anlässlich des ersten internationalen Helikopter-Symposiums im Berner Oberland, zeigt die Air Zermatt mit ihren Piloten Günther Amann und Sigi Stangier, dass Direktrettungen mit dem Helikopter auch in den steilsten und gefährlichsten Bergwänden wie der Eigernordwand möglich sind. An fünf Stellen der Eigernordwand werden Bergführer mit der Winde abgesetzt. Die Rettungsfachleute staunen und horchen auf. Anlässlich des gleichen Helikopter-Symposiums landet zum ersten Mal ein Helikopter, die Alouette III "HB-XDA" der Air Zermatt, auf dem äusserst kleinen Felsvorsprung an der Mittellegihütte des Eigers.

    Schon im folgenden Jahr wird durch Günther Amann die erste Direktrettung in der berüchtigten Eigernordwand durchgeführt. Für diese hervorragende Leistung wird Pilot Günther Amann in Amerika mit dem Heroism-Award ausgezeichnet. In der Folge werden durch die Air Zermatt und ihre Tochterfirma BOHAG mit Erfolg viele Eigernordwand-Direktrettungen vorgenommen.

    Ebenfalls 1971 wird der Rettungs- und Transporthelikopter für das Hochgebirge, die SA 315 B Lama mit der Immatrikulation HB-XDI, angeschafft. Eine Maschine wird in Zermatt und eine zweite in Interlaken stationiert. Die Air Zermatt ist das erste Unternehmen, welches diesen Helikoptertyp ausserhalb des Herstellerlandes Frankreich einsetzt. Ein Helikopter, der mit 12'443 m noch heute den absoluten Höhen-Weltrekord innehält.
    Die Air Zermatt entwickelt in der Folge wesentliches Zubehör zu Alouette III- und Lama-Helikoptern. So werden z.B. Skikörbe für beide Helikoptertypen entworfen und gebaut, die in der Folge von den meisten Helikopterunternehmen in der Schweiz übernommen und benützt werden.


  • Treffen von Bergführern und Flugrettern anlässlich des Internationalen Helikopter-Symposiums 1970

    Erstmals in der Geschichte der Eigernordwand wird ein Retter in die berüchtigte Spinne herabgelassen.
    Die erste SA 315 B Lama mit der Immatrikulation HB-XDI

Im März 1972 wurden 72 Passagiere aus der blockierten Kabine der Schilthornbahn geborgen.

Zweite Direktrettung aus der Eigernordwand

Seilbahn-Evakuation am Schilthorn

Im Winter 1972 werden durch die Air Zermatt weltweit erstmals in der Geschichte der Helikopterrettung 72 Passagiere aus einer 240 m über Grund blockierten Grosskabine der Luftseilbahn am Schilthorn evakuiert.

Anlässlich des 2. Internationalen Helikopter-Symposiums auf der Kleinen Scheidegg demonstriert die Air Zermatt erstmals Rettungen mit verlängertem Windenseil, sogenannte Longline-Rettungen. An einem Seil von 65 m Länge wird in der Eiger-Westflanke das Absetzen von Rettern im Fels gezeigt.

Entwicklung von Löschmaterial und -methoden

Die grossen Waldbrände im Wallis führen die Air Zermatt in den früher 70er-Jahren dazu, als erstes Heli-Unternehmen in der Schweiz, Löschmaterial und Löschmethoden für Helikopter zu entwickeln. So entstanden z.B. die ersten Löschwassersäcke, die bei Waldbränden oberhalb von St-Luc und im Pfynwald verwendet wurden und die auch bei den grossen Waldbränden in Deutschland (z.B. in der Lüneburger Heide) zum Einsatz kamen.

Als die Air Zermatt im Jahre 1970 bei einem grossen Waldbrand oberhalb von Raron von den Feuerwehren zu Hilfe gerufen wurde und das Feuer immer mächtiger den Bannwald (Schutzwald) oberhalb des Dorfes verzehrte, konnte nicht viel geholfen werden. Es wurden lediglich Feuerwehrleute mit ihren Schaufeln und Pickeln zum Brand in das unwegsame Gebiet geflogen – mehr konnte nicht getan werden. Das gab zu denken. Also ging man ans Werk und liess von einem Metallbauer einen Löschkessel herstellen, der 700 Liter Wasser fassen sollte. Dieser Löschkessel sollte nach vorne drehen und so schlagartig den ganzen Inhalt ins Feuer werfen können. Der Kessel wurde dazu mit zwei Achsen in der Mitte beidseits an einem Tragjoch derart aufgehängt und festgehalten, dass er nach vorne aus dem Gleichgewicht festgehalten war. Mit Wasser gefüllt, sollte der Kessel eine schnelle Drehbewegung ausführen, damit den gesamten Inhalt auf einmal abwerfen und wieder in seine ursprüngliche Position zurückdrehen, wo er zur erneuten Wasseraufnahme festgehalten werden sollte.

Dieser Kipplöschkessel hat sich in der Folge bei der Waldbrandbekämpfung als äusserst wirksam erwiesen. Ebenso werden von der Air Zermatt die grossen Löschwasserbehälter entwickelt, um die Wasseraufnahme mit den Helikoptern möglichst nahe am Brandherd vornehmen zu können, was Wasserabwürfe in möglichst kurzen Intervallen ermöglicht.

Lama mit Kippkessel beim Wasserbezug aus einem See

Löschaktion beim grossen Waldbrand von Leuk im August 2003

Lama mit Kippkessel beim Wasserbezug aus einem Löschbecken

Erstversorgung des Patienten durch einen Notarzt

Ein Patient wird für den Transport ins Spital vorbereitet

 

Medikalisation der Helikopterrettung

1973 wird von der Air Zermatt der wohl wichtigste Schritt in der Schweizer Luftrettung getan: die Medikalisation der Helikopterrettung.
Als erstes Rettungsunternehmen in der Schweiz hält die Air Zermatt fortan festangestellte Ärzte und Anästhesiepfleger auf ihrer Basis bereit, welche die Helikopterbesatzungen auf ihren Rettungseinsätzen begleiten.

Ab 1983 wird diese Medikalisation neu überdacht und verbessert. Ab 1984 werden auf den Rettungsbasen der Air Zermatt Anästhesie-Ärzte und Anästhesiepfleger mit Notfall- und Intensivmedizin-Erfahrung eingesetzt, welche von nun an die Rettungshelikopter begleiten. Auch die medizinische Ausstattung der Helikopter wird verbessert und ab Ende der 80er-Jahre steht der Air Zermatt mit der Bell 412 eine schnellere, geräumigere, 2-motorige Rettungsmaschine zur Verfügung.
Dieser Helikopter ermöglicht es, mehrere polyblessierte Patienten während des
Transportes zu überwachen und zu behandeln. Mit der 90m Winde und der grösseren Leistung können Rettungen durchgeführt werden, die mit den kleineren Maschinen nicht machbar waren.

Der erste "Heroism Award" und die Beschaffung von Suchscheinwerfern

Im Jahre 1975 erfolgte unter sehr misslichen Wetterbedingungen die bis dahin wohl schwierigste Rettung in der verschneiten Badile-Nordostwand durch die Air Zermatt. Pilot und Flughelfer wurden für diesen Einsatz in Amerika mit einem weiteren "Heroism Award" ausgezeichnet. Das ist die höchste internationale Auszeichnung, die in der Luftfahrt vergeben wird.
Den ersten "Heroism Award" bekam die Air Zermatt für die erste Direktrettung aus der Eiger-Nordwand im Jahre 1972.

Die Rettungsflüge bei Nacht stellten schon damals grosse Anforderungen an die Flugsicherheit. Im Jahre 1976 beschaffte sich daher die Air Zermatt lichtstarke Suchscheinwerfer, um das Risiko bei Nachtflügen zu vermindern.
Ein weiterer Schritt war die Herstellung einer eigenen Aufhängung an der Helikopter-Nase für diese Suchschweinwerfer bei gleichzeitigem Einbau einer Übersteuermöglichkeit durch den Piloten.

 

Die Standorte der Air Zermatt

Im Verlaufe der Jahre, als die Flugaufträge immer zahlreicher und die Anflugwege immer weiter wurden, musste man sich nach einem zweiten Standort im Rhonetal umsehen. So wurde 1979 vorerst in einem Unterstand (Hangar 7) auf dem Flugplatz Raron ein Helikopter vom Typ Lama stationiert, um von dort aus hauptsächlich Transportflüge im Oberwallis auszuführen. Der Heli war die HB-XII, die damals frisch ab Werk kam und noch heute regelmässig im Flugbetrieb eingesetzt wird.

Der Hangar 7 war aber nur eine Zwischenlösung. Da das Unternehmen weiter wuchs, wurde der Entscheid für einen Neubau gefällt. Im Mai 1985 folgte dann der Umzug in die neuen Hangar-Räumlichkeiten und dem heutigen Heliport Raron, dem grössten Standort der Air Zermatt.

In den 90er-Jahren wurd eine weiterer Standort auf dem Flugplatz Sion in Betrieb genommen. Heute ist dort zwar kein Heli mehr stationiert, aber die Air Zermatt ist im Flughafengebäude noch mit einem Büro vertreten.

Auf die Wintersaison 2013/14 wurde der Heliport Gampel reaktiviert und ein Rettungsheli stationiert, um im Flugrettungsdienst eine optimalere Flächenabdeckung im Wallis zu gewährleisten.
So operiert die Air Zermatt heute im Wallis von den drei Basen Raron, Gampel und Zermatt und betreibt ein Büro in Sion.

Die Entwicklung des Dreibein

Gletscher-Spalteneinsätze haben die Retter schon immer vor grosse Probleme gestellt. Die im Gletschereis eingeklemmte Person schmilzt durch ihre Körperwärme immer tiefer in das Eis und ist für die Retter schon nach kurzer Zeit nicht mehr erreichbar. Durch den engen Kontakt mit dem Eis nimmt die Körpertemperatur rasch ab und es droht der Tod durch Unterkühlung.

Mit speziellen Zangen, Netzen und Metallhaken hat man immer wieder vergeblich versucht, im Gletschereis eingeklemmte Personen noch lebend zu bergen. Die Zermatter Retter stellten erste Versuche an, indem sie mit Kettensägen Eisblöcke heraussägten, um sich auf diese Weise einen Zugang zu den Eingeklemmten zu verschaffen. Das Arbeiten mit Kettensägen im Eis erwies sich aber als zu gefährlich. Die Air Zermatt stellte darauf erste Versuche an, um eingeklemmte Personen durch den Einsatz von Kompressoren und pneumatischen Abbauhämmern schneller bergen zu können. Es wurden speziell geformte Meissel entwickelt, um das Eis besser abbauen zu können. Der erste Einsatz mit Kompressor und Abbauhammer erfolgte auf dem Grenzgletscher. Die erfolgreiche Nachtrettung einer, im Gletschereis auf 4'500 m.ü.M. eingeklemmten deutschen Alpinistin beim Lysjoch, die mit einer Körperstammtemperatur von nur gerade 25 Grad Celsius in die Universitätsklinik eingeliefert wurde und schadlos überlebte, löste Erstaunen aus.

Anfangs der 80er Jahre wurde von der Air Zermatt erstmals das von der Firma Habegger entwickelte Dreibein in der Spaltenrettung eingesetzt. Der damalige Rettungschef Bruno Jelk verbesserte in der Folge mit der Firma Fux Metallbau dieses Dreibein, das in der verbesserten Konstruktion als Zweibein auch bei sehr breiten Gletscherspalten eingesetzt werden konnte. Dieses Dreibein wurde mit sogenannten Habegger-Zügen und später mit zwei Rettungswinden versehen.

Die sensationelle Rettung eines italienischen Bergsteigers am Dom auf 4'200 m.ü.M, welcher nach fünfstündiger, anstrengendster Arbeit durch die Bergführer in einer Tiefe von 42m aus dem Gletschereis befreit werden konnte, zeigte, dass die Gletscherspaltenrettung revolutioniert und auf einen neuen Standard gebracht worden ist. Der Bergsteiger, bei welchem in der Universitätsklinik eine Körperstammtemperatur von nur 17,2 Grad Celsius gemessen wurde, hat ohne Folgeschäden überlebt.

Diese Spaltenrettungsmethoden sowie weitere von der Air Zermatt entwickelte Hilfsmittel wurden zum internationalen Standard und sind heute weltweit im Einsatz.