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Erfahrung entsteht nicht erst beim Rettungseinsatz: Eine Besonderheit der Air Zermatt

Rettungseinsätze sind nur ein Teil des fliegerischen Alltags bei der Air Zermatt. Transport- und Passagierflüge sorgen dafür, dass die Piloten täglich unter anspruchsvollen Bedingungen trainieren. Jede Flugstunde schafft Erfahrung und genau davon profitiert im Ernstfall vor allem der Mensch, der auf Hilfe aus der Luft angewiesen ist.

24. September 2026
Bruno Kalbermatten

Gestern sieben Stunden lang Holz aus dem Wald fliegen. Heute eine verletzte Bergsteigerin aus einer Felswand retten. Morgen Material ins Hochgebirge transportieren. Für die Piloten der Air Zermatt ist diese Vielfalt Alltag. Und sie hat einen entscheidenden Vorteil: Jede Flugstunde bringt Erfahrung. Jede Landung schärft das Gefühl für den Helikopter. Jede Rotation verlangt Präzision und Konzentration.

Seit der Gründung der Air Zermatt 1968 gehört die Hilfe für Menschen in Not zum Kern des Unternehmens. Damals konnte es nach einem Bergunfall Stunden oder sogar Tage dauern, bis Hilfe eintraf. Der Helikopter veränderte die Rettung im Gebirge grundlegend.

Heute machen Rettungseinsätze lediglich einen Teil der Aufträge bei der Air Zermatt aus. Die übrigen Flüge liegen im kommerziellen Bereich: Transporte, Montagen, Training oder touristische Flüge. Was nach zwei unterschiedlichen Welten klingt, gehört jedoch eng zusammen.

"Rettungsfliegerei ist wie Spitzensport."

Heute Transportflug. Morgen Rettung.

Unterlastflüge verlangen höchste Konzentration. Ob Holz aus einem unzugänglichen Wald geflogen oder Material im Hochgebirge zentimetergenau platziert wird: Pilot, Flughelfer und Bodencrew müssen perfekt zusammenspielen. Rund 40'000 Unterlast-Rotationen fliegt die Air Zermatt pro Jahr. Das bedeutet 40'000-mal anfliegen, positionieren, aufnehmen oder absetzen. Jede Rotation verlangt Ruhe, Präzision und ein ausgeprägtes Gefühl für den Helikopter. Genau diese Fähigkeiten sind auch im Rettungseinsatz entscheidend.

Landen im Whiteout

Auch touristische Flüge sind wertvolles Training. Beim Heliskiing beispielsweise landen die Piloten nicht auf einem Flugplatz, sondern im alpinen Gelände; auf Schnee und in grosser Höhe. Der Pilot muss Gelände, Wind, Schnee und Lichtverhältnisse beurteilen und den Helikopter präzise zur Landung bringen. Bei diffusem Licht oder Whiteout können Konturen und Referenzpunkte nahezu verschwinden. Jede solche Landung erweitert den Erfahrungsschatz. Es sind Erfahrungen, die beim nächsten Rettungseinsatz gefragt sein können.

Rettungsfliegerei ist wie Spitzensport

Man kann es mit Sport vergleichen: Wer nur zweimal im Monat trainiert, kann im Wettkampf kaum dieselbe Leistung abrufen wie jemand, der mehrmals pro Woche mehrere Stunden trainiert.

In der Helikopterfliegerei ist es ähnlich. Entscheidend ist nicht nur die Zahl der Rettungseinsätze, sondern wie häufig ein Pilot überhaupt unter anspruchsvollen Bedingungen fliegt. Der Ernstfall ist nicht der Moment, in dem Erfahrung entstehen soll. Im Ernstfall muss sie bereits vorhanden sein.

Das Gelände wird zur inneren Landkarte

Jede Flugstunde macht die Piloten zudem vertrauter mit dem Einsatzgebiet. Wer regelmässig im Einsatzgebiet fliegt, kennt Täler, Grate, markante Geländepunkte und Hindernisse. Auch Leitungen oder kritische Stellen prägen sich ein. Gerade bei Nachteinsätzen kann dieses Wissen wertvoll sein. Flugerfahrung besteht deshalb nicht nur aus Stunden im Logbuch, sondern auch aus tausenden Beobachtungen und Entscheidungen im Cockpit.

Am Ende zählt der Mensch in Not

Rettungsflüge stehen für das sichtbarste Versprechen der Air Zermatt: Wir werden da sein.

Um dieses Versprechen einzulösen, braucht es Piloten, die viel fliegen, ihren Helikopter beherrschen und das Gelände kennen.

Ein Holztransport rettet kein Leben. Eine touristische Landung ist kein Rettungseinsatz. Eine Montage im Hochgebirge ersetzt kein medizinisches Training. Aber jede dieser Flugstunden schafft Erfahrung. Und wenn beim nächsten Alarm ein Mensch im Hochgebirge auf Hilfe wartet, kann genau diese Erfahrung den Unterschied machen.

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