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Lawinensprengungen mit dem Helikopter: Bevor der Berg sich selbst entlädt

Vielerorts liegt weniger Schnee als in schneereichen Jahren und trotzdem herrscht über lange Zeit eine erhebliche Lawinengefahr. Der Grund liegt in der Struktur der Schneedecke: Sie ist instabil, spröde, in Schichten aufgebaut, die sich kaum miteinander verbinden. Das Resultat: Auffällig viele Lawinen sind in diesem Winter spontan abgegangen. Umso wichtiger ist die kontrollierte, künstliche Lawinenauslösung. Das ist eine Aufgabe, bei der Präzision, Erfahrung und Teamwork entscheiden.

19. Februar 2026
Bruno Kalbermatten

Die künstliche Lawinenauslösung ist in der Schweiz ein wichtiges Instrument, um Verkehrsachsen, Siedlungsräume und Schneesportgebiete zu schützen. Ziel dieser Einsätze ist nicht Spektakel, sondern Prävention: Mögliche Anrissgebiete werden temporär gesichert und Sturzbahnen kontrolliert entlastet. Gleichzeitig hilft dieses Vorgehen, grosse unkontrollierte Lawinenniedergänge und lange Sperrzeiten zu vermeiden. Kurz gesagt: Lawinen werden gezielt ausgelöst, bevor sie unkontrolliert Schaden anrichten können. Bei Lawinensprengungen ist der Einsatz von Helikopter unverzichtbar.

Im Einsatz gegen die Lawinengefahr

Es ist noch früh am Morgen, als ein Funkspruch die Ruhe auf der Basis durchbricht. Über Nacht hat es geschneit, nicht extrem viel und doch reicht ein kurzer Blick in die Hänge, um zu wissen: Die Schneedecke ist heikel. Im Wallis begleitet uns dieser Zustand seit Wochen. Lawinenwarnstufe 3 über lange Zeit, trotz vergleichsweise geringer Schneemengen. Viele Hänge haben sich in diesem Winter von selbst entladen. Lawinen gingen spontan nieder, ohne Vorwarnung. Und genau deshalb beginnt Sicherheit nicht erst, wenn etwas passiert, sondern lange davor. Es gibt verschiedene Methoden, wie Lawinen künstlich ausgelöst werden können.

Zur Sicherheit im Skigebiet

Wenn Bergbahnen ihre Pisten sichern müssen, wird in verschiedenen Walliser Wintersportgebieten die Air Zermatt aufgeboten. Sicherheitsverantwortliche steigen zur Crew in den Helikopter, die Route wird besprochen. Von unten wirkt ein solcher Flug manchmal wie ein einziger, ruhiger Bogen über dem Hang. Im Cockpit und an der offenen Türe ist es jedoch hochkonzentrierte Arbeit: Wo muss eine Sprengladung gesetzt werden? Wie steht der Wind? Wie verhält sich die Schneedecke an genau diesem Rücken, genau dieser Kante?

Die Sprengladung wird vom Flughelfer gezielt abgesetzt und zwar auf Anweisung des Sicherheitsexperten der Bergbahn. Die entstehende Druckwelle soll das tun, was der Berg sonst irgendwann selbst tun würde, nur kontrolliert und unter Aufsicht von Spezialisten. Ein dumpfer Knall, dann setzt sich der Hang in Bewegung. Schnee bricht an, gleitet ab, sammelt sich tiefer unten. Kein Zufall, kein Risiko. Ein geplanter Prozess.

Damit Verkehrswege offen sind

Was auf der Piste gilt, gilt nach starken Schneefällen auch für Verkehrswege. Wenn Strassen oder Bahnlinien aus Sicherheitsgründen gesperrt sind, geht es um mehr als um Komfort. Dann sind Täler abgeschnitten, Arbeitswege unterbrochen, Lieferketten verzögert. Lawinensprengungen aus dem Helikopter können Verkehrsachsen wieder öffnen. Auch hier sitzt im Helikopter ein Sicherheitsexperte, der jeden Abwurfpunkt vorgibt: präzise, lageabhängig, verantwortungsvoll.

Das Ziel ist immer dasselbe: Gefährliche Hangpartien kontrolliert entlasten, damit Verbindungen so rasch wie möglich wieder geöffnet werden können. Nicht spektakulär um der Bilder willen, sondern wirksam für den Alltag der Menschen im Tal.

Fest installiert und trotzdem ohne Helikopter nicht möglich

Neben den Helikopter-Einsätzen aus der Luft gibt es auch fest installierte Systeme zur künstlichen Lawinenauslösung, zum Beispiel den Wyssen Sprengmast. Auf dem mehrere Meter hohen Mast sitzt ein Magazin mit Sprengladungen, die ferngesteuert über der Schneedecke gezündet werden können. Doch auch diese Lösung funktioniert nicht ohne Luftunterstützung: Ist der Magazinkasten mit den Sprengladungen leer, muss dieser mit dem Helikopter ersetzt werden. Der Magazinkasten wird millimetergenau auf dem Mast positioniert. Das ist eine Aufgabe für die Helikopterpiloten der Air Zermatt.

Teamarbeit für die Allgemeinheit

Ob Skipiste, Kantonsstrasse oder Bahnlinie: Lawinensprengungen sind immer Teamarbeit. Sicherheitsdienste, Bergbahnen, Behörden und die Crew der Air Zermatt greifen dabei wie Zahnräder ineinander. Das gemeinsame Ziel ist klar: Risiken minimieren, Infrastruktur schützen, Mobilität ermöglichen.

Gerade in einem Winter mit tückischem Schneedeckenaufbau zeigt sich, wie wichtig diese Zusammenarbeit ist. Die Einsätze sind oft unsichtbar für die Öffentlichkeit. Ihre Wirkung ist dafür umso grösser: sichere Pisten, geöffnete Verbindungen und ein Stück Verlässlichkeit in einer alpinen Umgebung, die sich laufend verändert.

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