Traumjob
Helikopterpilot
«Für mich war schnell klar, ich will fliegen!»
Benjamin Zenhäusern ist 34 Jahre alt und arbeitet seit 2014 für die Air Zermatt – zuerst als Flughelfer und seit 2016 als Pilot.
Benjamin Zenhäusern, wie kommt man dazu, Helikopterpilot in den Schweizer Alpen zu werden?
Hier im Oberwallis, wo wir aufwachsen, kommt man bereits in frühen Jahren in Kontakt mit Helikoptern. Schon als Kind habe ich mich für die Fliegerei interessiert, zuerst für Gleitschirme, da ich in Fiesch aufgewachsen bin und man diesen täglich begegnet.
Für mich war schnell klar: ich will unbedingt fliegen. Mit 16 habe ich mit dem Gleitschirmfliegen begonnen, daraus wuchs die Faszination für den Helikopter.
Mit dem Heli zu schweben und an sonst unerreichbaren Punkten landen zu können– das hat mich beeindruckt. Daraus wuchs der Wunsch, selbst Pilot zu werden.
Die Ausbildung hat es dafür in sich; obwohl du für diese keinen höheren Abschluss benötigst, sollte man das Prozedere nicht unterschätzen. Der Werdegang zum Piloten ist intensiv und teuer. Dafür benötigst du einen langen Atem.
Wie würdest Du deine Gefühle beschreiben, als du das allererste Mal vom Boden abgehoben bist?
Ich hatte schon immer einen speziellen Bezug zum Fliegen. Geblieben ist mir insbesondere mein erster Soloflug. Man wird sehr gut darauf vorbereitet, aber eine gewisse Nervosität ist auf jeden Fall dabei, da man weder den Fluglehrer noch das Doppelsteuer zur Hilfe hat, sprich auf keine Absicherung zurückgreifen kann. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Flug allein im Helikopter erinnern – er war in St. Gallen.
«Derzeit ist Pilot der Job, der mich sehr erfüllt und ich kann mir nichts anderes vorstellen.»
Was sind die drei wichtigsten Eigenschaften, die ein Helikopterpilot haben muss?
Flexibilität und hohe Einsatzbereitschaft, denn der Pilot übt keinen 9to5-Job aus. Auch muss er mit Druck umgehen können und in heiklen Situationen stets die beste Entscheidung treffen. Piloten kommen immer wieder in Situationen, welche sie fordern, gerade wetterbedingt. Bei flugtechnisch anspruchsvollen Flügen gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren.
Eine weitere Eigenschaft ist die Geduld – diese brauchen wir für den bereits erwähnten Weg, bis man schlussendlich selbst als Pilot arbeiten kann. Es dauert Jahre, bis die Lizenz für den Berufspiloten im Sack ist und auch dann ist eine Arbeitsstelle nicht garantiert – die Anzahl an Helikopterfirmen in der Schweiz ist sehr begrenzt.
Hattest Du schon mal mit Turbulenzen oder starken Wetterbeeinträchtigungen während eines Einsatzes zu tun?
Das hast du immer wieder. Hier spielt die Vernunft eine zentrale Rolle, und wie man mit den Gefahren umgeht. Die Sicherheit geht stets allem voran - als Pilot liegt die Entscheidung des Fliegens immer bei dir. Wichtig ist, die eigene Sicherheit in den Vordergrund zu stellen und auf das Bauchgefühl zu hören, auch wenn sich Menschen in Gefahr befinden und du ihnen helfen möchtest. Wir tun immer unser Möglichstes. Selbstreflektion ist ebenfalls ein wichtiges Stichwort, um das eigene Verhalten zu analysieren und besser zu werden.
Was bedeutet das Fliegen für Dich und was macht Dir am meisten Spass, wenn Du in einem Helikopter sitzt?
Ich finde die Präzision, mit welcher ein Helikopter fliegen kann, unglaublich beeindruckend. Mir hat es insbesondere die Transportfliegerei angetan – eine Challenge, bei welcher es keine Fehler verträgt und mir unheimlich Spass macht. Schlussendlich profitieren wir hier bei der Air Zermatt jedoch am meisten von der Abwechslung – der gute Mix zwischen Rund-, Transport- und Rettungsflügen macht es aus.
Abschliessend eine simple Frage, angenommen du wärst kein Helikopterpilot, was würdest Du heute machen?
Derzeit ist Pilot der Job, der mich sehr erfüllt und ich kann mir nichts anderes vorstellen. Aber wer weiss, was in zehn Jahren ist.
Du hast das Schlusswort.
Man sollte sich bewusst sein, dass auch der Traumjob «Pilot» Schattenseiten birgt. Der Mensch ist fasziniert vom Fliegen, aber dahinter steckt grosse Arbeit, viel Aufwand und ein gut funktionierendes Team. Flexible Arbeitszeiten und lange Tage gehören auch dazu. Und nicht zuletzt haben wir keinen ungefährlichen Job, dies gilt es nicht zu unterschätzen.








