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Brandbekämpfung aus der Luft: Die Löscheinsätze der Air Zermatt

Die anhaltende Hitze, ausgetrocknete Böden und fehlende Niederschläge erhöhen die Gefahr von Wald- und Flächenbränden. In diesem Sommer wurde die Air Zermatt aussergewöhnlich häufig aufgeboten. Ihre Helikopter unterstützen die Feuerwehren dort, wo das Gelände schwer zugänglich ist und wo in den ersten Minuten jede Sekunde zählt.

20. August 2026
Bruno Kalbermatten

Ein Blitzeinschlag, eine achtlos weggeworfene Zigarette oder ein technischer Defekt können genügen. Ist die Vegetation trocken, breitet sich ein Feuer unter Umständen innerhalb kürzester Zeit aus. Besonders in steilem und unwegsamem Gelände stossen die Einsatzkräfte am Boden rasch an ihre Grenzen. Dann kommt die Brandbekämpfung aus der Luft ins Spiel.

Im Wallis gilt bei Waldbränden deshalb der Grundsatz: «Rauch im Wald – Helikopter.» Je früher Wasser gezielt über dem Brandherd abgeworfen wird, desto grösser ist die Chance, die Flammen einzudämmen und eine Ausbreitung auf weitere Waldflächen, Siedlungen oder wichtige Infrastrukturen zu verhindern.

Mehr Einsätze als im gesamten Vorjahr

Wie angespannt die Situation in diesem Sommer ist, zeigen die Einsatzzahlen. Die Air Zermatt wurde 2026 bereits zu über zwei Dutzend Einsätzen im Zusammenhang mit Waldbränden aufgeboten. Dazu zählen auch Rekognoszierungsflüge, bei denen sich die Einsatzleitung und die Crews aus der Luft ein genaues Bild der Lage verschaffen. Hinzu kamen fünf Übungen zur Vorbereitung auf den Ernstfall. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren es 15 Einsätze.

Dass bisher Schlimmeres verhindert werden konnte, ist dem raschen und koordinierten Zusammenspiel aller beteiligten Organisationen zu verdanken. Die Helikopter löschen das Feuer nicht allein. Sie unterstützen die Feuerwehren am Boden, transportieren Wasser an schwer zugängliche Stellen und verschaffen der Einsatzleitung einen Überblick über das Brandgebiet.

Ein Alarm verändert das gesamte Flugprogramm

Im Ereignisfall wird die Air Zermatt durch die Kantonale Walliser Rettungsorganisation KWRO oder die Kantonspolizei aufgeboten. Dank der permanenten Einsatzbereitschaft können die Crews Tag und Nacht rasch reagieren und die Brandbekämpfung aus der Luft aufnehmen.

Geht während des Tages ein Feueralarm ein, wird das geplante Flugprogramm unverzüglich angepasst. Transportflüge werden verschoben, touristische Flüge abgesagt. Der Schutz von Menschen, Siedlungen und Natur hat in diesem Moment höchste Priorität. Die Air Zermatt darf dabei auf ein grosses Verständnis ihrer Kundinnen, Kunden und Gäste zählen.

Bei jedem Löscheinsatz müssen die Bewegungen in der Luft und die Arbeiten am Boden genau koordiniert werden. Für die fliegerischen Belange wird ein Helikopter-Einsatzleiter bestimmt. Sind bis zu zwei Helikopter beteiligt, kann einer der Piloten diese Aufgabe vor Ort übernehmen. Bei mehr als zwei Maschinen koordiniert ein Einsatzleiter die Helikopter vom Boden aus. Entscheidend ist dabei die enge Zusammenarbeit mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr.

"Seit 2023 verfügt die Air Zermatt als erstes Helikopterunternehmen in Europa über die Bewilligung, einen Feuerlöscheinsatz auch nachts neu zu beginnen."

Bis zu 1000 Liter Wasser in drei Sekunden

Für die Brandbekämpfung verfügt die Air Zermatt über sechs Ecureuil-Helikopter und drei Bell 429. Welche Maschinen zum Einsatz kommen, hängt von der Lage, der Tageszeit und den Anforderungen vor Ort ab.

Die Helikopter können mit sogenannten Bambi Buckets ausgerüstet werden. Diese flexiblen Löschwasserbehälter lassen sich in der Kabine zur Einsatzstelle transportieren, innerhalb kurzer Zeit montieren und fassen bis zu 900 Liter Wasser.

Je nach Brandlage kommt auch ein von der Air Zermatt entwickelter pneumatischer Löschkessel zum Einsatz. Er fasst bis zu 1000 Liter und kann die gesamte Wassermenge innerhalb von rund drei Sekunden gezielt über dem Brandherd abwerfen.

Doch nicht allein die Menge des Wassers ist entscheidend. Ebenso wichtig ist die Zeit zwischen den einzelnen Abwürfen. Je kürzer die Rotationszeit, desto mehr Wasser gelangt innerhalb weniger Minuten zum Feuer. Deshalb werden nach Möglichkeit Wasserbezugsstellen in der Nähe des Brandes genutzt oder mobile Löschwasserbecken eingerichtet.

Bei einer Rotationszeit von rund drei Minuten können zwei Ecureuil-Helikopter in derselben Volte fliegen. So lassen sich innerhalb von zwölf Minuten rund 6800 Liter Wasser in den Wald transportieren. Wie lange eine Rotation tatsächlich dauert, hängt unter anderem von der Entfernung zur Wasserstelle, den Höhenverhältnissen, dem Wind und den weiteren Flugbedingungen ab.

Neue Lösungen aus realen Einsätzen

Die Air Zermatt beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Brandbekämpfung aus der Luft. Bereits 1970, zwei Jahre nach ihrer Gründung, wurde sie zu einem Waldbrand im Thelwald aufgeboten. Damals bestand die Aufgabe vor allem darin, Feuerwehrleute möglichst nahe an den Brandherd zu transportieren.

Seither wurden die Verfahren und Einsatzmittel laufend weiterentwickelt. Auf Initiative der Air Zermatt entstanden unter anderem Kipplöschkessel und erste mobile Wasserbecken. Diese können in der Nähe eines Brandes aufgestellt werden und helfen, die Wege zwischen Wasseraufnahme und Brandherd deutlich zu verkürzen.

Gemeinsam mit Oberwalliser Feuerwehren entwickelte die Air Zermatt zudem ein spezielles Füllrohr. Damit lassen sich Löschkessel und Bambi Buckets innerhalb von rund 20 Sekunden befüllen. Das System kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn Tanklöschfahrzeuge Wasser in die Nähe des Brandes bringen können, dort aber kein Löschbecken eingerichtet werden kann.

Die Erfahrungen aus jedem Einsatz fliessen in die Weiterentwicklung der Systeme ein. Erst kürzlich investierte die Air Zermatt mehr als 50’000 Franken in zusätzliche mobile Wasserbecken und Löschwasserbehälter.

Löscheinsätze auch in der Nacht

Eine besondere Herausforderung stellen Brände dar, die nach Einbruch der Dunkelheit ausbrechen. Seit 2023 verfügt die Air Zermatt als erstes Helikopterunternehmen in Europa über die Bewilligung, einen Feuerlöscheinsatz auch nachts neu zu beginnen. Zuvor durfte lediglich ein bereits am Tag gestarteter Einsatz nach Einbruch der Dunkelheit weitergeführt werden.

Gemeinsam mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL entwickelte die Air Zermatt dafür ein umfassendes Einsatzkonzept. Gerade bei Bränden in Schutzwäldern kann die Möglichkeit eines sofortigen Nachteinsatzes entscheidend sein. Sie verhindert, dass sich ein Feuer während mehrerer Stunden ungehindert ausbreitet und Menschen, Siedlungen oder Verkehrswege gefährdet.

Private Drohnen gefährden den Einsatz

Eine zunehmende Gefahr geht von privaten Drohnen aus. Befindet sich eine nicht koordinierte Drohne im Einsatzraum, besteht für die Helikopter Kollisionsgefahr. In der Vergangenheit mussten Löscharbeiten deshalb bereits unterbrochen und die Helikopter am Boden gehalten werden.

Drohnen können jedoch bei einem Waldbrand durchaus wertvolle Dienste leisten. Im Rahmen des kantonalen Drohnenkonzepts der Walliser Feuerwehren werden beispielsweise Wärmebildkameras eingesetzt, um Glutnester aufzuspüren. Solche Flüge müssen jedoch genau mit den Helikopter-Crews abgestimmt werden. Unkoordinierte private Drohnen haben über einem Brandgebiet nichts verloren.

Gemeinsam gegen das Feuer

Brandbekämpfung aus der Luft ist vor allem Teamarbeit. Pilotinnen und Piloten, Flughelfer, Feuerwehren, Einsatzleitungen, Polizei und KWRO müssen eng zusammenarbeiten. Jeder Wasserabwurf muss sitzen, jede Flugbewegung koordiniert und jede Lage laufend neu beurteilt werden.

Die Helikopter der Air Zermatt können ein Feuer nicht im Alleingang löschen. Doch sie bringen Wasser dorthin, wo es am dringendsten benötigt wird, verschaffen den Einsatzkräften wertvolle Zeit und unterstützen die Feuerwehr in schwierigstem Gelände. Gerade in einem trockenen Sommer kann dieser Vorsprung entscheidend sein.

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