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Damit jeder Start sicher ist: Die Helikopter-Techniker der Air Zermatt

Während draussen der Lärm eines Helikopters einen Einsatz ankündigt, wird auf der Basis in Raron im Stillen die Grundlage für jede Mission geschaffen. Insgesamt acht Techniker in Raron, drei weitere in Zermatt und zwei Personen in der Administration sorgen dafür, dass die Helikopter der Air Zermatt jederzeit zuverlässig und sicher starten können. Ihre Arbeit bedeutet Präzision, Erfahrung und Verantwortung, die man nicht sieht, aber bei jedem Flug spürt.

22. Januar 2026
Bruno Kalbermatten

Auf der Basis in Raron riecht es nach Metall, Öl und Konzentration. Es ist kein hektischer Ort, obwohl hier oft wenig Zeit bleibt. Denn was für viele nach «kurz durchchecken und weiter» klingt, ist in Wahrheit ein aufwendiger Prozess: Nach einer Stunde Flugzeit eines Helikopters bedeutet bei der Air Zermatt rund 3,5 Stunden Wartung. Und diese Wartung folgt klaren Zyklen, die nicht verhandelbar sind.

Da ist die Tageskontrolle: Sichtprüfungen, Flüssigkeitsstände, Verschleissstellen, kleine Hinweise auf Materialermüdung oder Unregelmässigkeiten, die nur ein geschultes Auge erkennt. Dann kommen Kontrollen nach einer bestimmten Anzahl Flugstunden. Und irgendwann verlangt die Vorgabe des Herstellers eine besonders tiefgehende Inspektion. Dann wird der Helikopter quasi in seine Einzelteile zerlegt. Komponenten werden ausgebaut, geprüft, vermessen, dokumentiert, wieder montiert und getestet. Jeder Handgriff ist Teil eines Systems, das am Ende nur ein Ziel kennt: maximale Sicherheit.

Ein hochkomplexes System und null Platz für Fehler

Ein Helikopter ist kein Auto und kein gewöhnliches Fluggerät. Er ist ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Mechanik, Elektronik und Hydraulik. Es ist ein System, in dem alles voneinander abhängt. Rotor, Getriebe, Antrieb, Steuerung, Avionik, Sensorik, Struktur: Wenn irgendwo etwas nicht stimmt, bleibt das nicht folgenlos. Im besten Fall zeigt es sich früh. Im schlechtesten Fall erst in der Luft.

Darum ist die Wartung der 6 Ecureuils und der drei Bell 429-Helikopter nicht nur Handwerk, sondern auch Denken: Ursachen suchen, Muster erkennen, Auffälligkeiten einordnen. Manchmal ist es ein Geräusch, das «anders» klingt. Manchmal ein Abrieb, der zu viel ist. Oder eine Messung, die zwar noch innerhalb der Toleranz liegt, aber nicht mehr dort, wo sie gestern war. Genau solche Details sind es, die den Unterschied machen.

«Ein Fehler kann fatale Auswirkungen haben», sagt Techniker Christof Kalbermatter. Dieser Satz steht nicht als Drohung im Raum, sondern als Realität, die jede Schraube begleitet. Deshalb gibt es Checklisten, Vier-Augen-Prinzip, Dokumentation, definierte Abläufe und gleichzeitig braucht es Erfahrung, Intuition und das Wissen, dass Standards nur dann wirken, wenn man sie konsequent lebt. Die Techniker der Air Zermatt wissen, was sie tun. Zusammengezählt bringen sie 183 Dienstjahre Erfahrung in den Betrieb.

Wie ein Crew-Mitglied, obwohl er am Boden bleibt

Christof Kalbermatter ist wie seine Kollegen von seiner Arbeit fasziniert. Von der Technik, der Präzision, dem Anspruch. Und auch vom Vertrauen, das in seinem Beruf selbstverständlich ist. «Der Techniker ist wie ein Crew-Mitglied», sagt er. Nicht, weil er mitfliegt, sondern weil ohne seine Arbeit kein Helikopter zu einem Einsatz startet.

Denn bevor ein Pilot mit dem Helikopter starten kann, muss am Boden alles stimmen. Eine gute Wartung entscheidet darüber, ob ein wichtiger Transportflug stattfinden kann. Ob Material rechtzeitig auf eine Alp oder zu einer Baustelle gelangt. Und ob bei einer lebensbringenden Rettung jede Sekunde genutzt werden kann, ohne dass man an der Technik zweifeln muss.

Die Techniker sehen den Helikopter anders als alle anderen. Jeder Flug hinterlässt Spuren: Kälte, Hitze, Staub, Wind, Lastwechsel. In Raron werden diese Spuren gelesen und «übersetzt»: in Wartung, in Sicherheit.

Was am Ende bleibt, ist eine Arbeit, die selten im Rampenlicht steht und doch in jedem Start mitschwingt. Still, konzentriert und getragen von einem klaren Grundsatz: Erst wenn alles stimmt, heben die Helikopter zur nächsten Mission ab.

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