Es ist Donnerstagmorgen, der 17. April 2025. Die Schneefälle der Nacht haben das Mattertal von der Aussenwelt abgeschnitten. Bäume sind unter der Schneelast gebrochen, Stromleitungen gerissen, Strassen und Schienen unpassierbar. Das Mobilfunknetz schwankt oder ist ganz ausgefallen. Und dann, mitten in diesem Chaos, bekommt eine junge Frau in St. Niklaus Wehen. Ihr Baby kündigt sich an.
Um 5.30 Uhr wählt die werdende Mutter den Notruf 144. Sie ist überrascht, dass die Verbindung überhaupt zustande kommt. Kurz darauf werden der First Responder Nicola Tscherrig alarmiert, und die Feuerwehr in St. Niklaus erhält den Einsatzbefehl. Diese verständigt die Hebamme Helga Rovina, die in St. Niklaus wohnt. Auch Louis Gruber ist an diesem Morgen im Feuerwehrdienst. Er zögert keine Sekunde, als der Notruf eingeht. «Ich habe sofort realisiert, dass es ernst ist. Eine Geburt ist immer ein spezieller Moment, aber unter diesen Bedingungen wusste ich, dass es eine Herausforderung sein kann», erinnert sich Gruber.
Er macht sich auf den Weg ins nahegelegene Altersheim, um alles Notwendige für die Geburt zu holen. «Man denkt gar nicht viel nach in solchen Momenten. Man macht einfach. Adrenalin und Routine übernehmen», erzählt er.
Bei der jungen Frau angekommen, zählt jede Minute. Die Hebamme ist bereits bei der werdenden Mutter, alle Anwesenden bewahren Ruhe. «Es war ein unglaublicher Moment. Diese Anspannung und gleichzeitig dieser kleine, aber so starke Mensch, der sich seinen Weg ins Leben bahnt», sagt Gruber.
Dann, um 10.16 Uhr, ist es soweit: Ein kleiner, neuer Erdenbürger erblickt das Licht der Welt. Die Erleichterung in den Gesichtern der Helfer ist greifbar.