Einsatzleiterin berichtet aus ihrem Alltag
Lara Wiesmann ist rund um Helikopter aufgewachsen. Ein lang gehegter Wunsch ist vergangener Herbst in Erfüllung gegangen - bei der Air Zermatt ist sie Teil der Einsatzleitung.

Von Kindesbeinen an bin ich, durch die jährliche Hüttenversorgung «unserer» SAC Hütte im Graubünden, in Kontakt mit Helikoptern und der Fliegerei. Dabei beeindruckten mich füher die Präzision und die Zusammenarbeit der Piloten im Helikopter und der Flughelfer draussen vor der Hütte, aber vor allem auch die flexible Organisation, welche hinter dem Betrieb steckt, besonders. Wenn Wetterkapriolen wieder einmal alle Pläne über den Haufen warfen, machte es der Einsatzleiter bei einem kurzen Wetterfenster immer wieder aufs Neue doch irgendwie möglich, dass wir abends mit dem ganzen Material in der Hütte sassen und den wohlverdienten z’Nacht geniessen konnten. So wuchs in mir der Wunsch: «Irgendwann möchte ich auch in dieser Einsatzleitung arbeiten.»
Zum Greifen nah
Spulen wir nun von meinen Kindheitsträumen vor ins Jahr 2022. Ich hatte meine feste Anstellung ins Blaue hinaus gekündigt, um «einfach das zu tun, was ich schon immer einmal tun wollte». Und so war es wohl kein Zufall, dass ich genau in dieser Zeit über die offene Stelle in der Einsatzleitung der Air Zermatt stolperte. Nun, es war im Wallis, nicht im Kanton Uri. Und es war bei der Air Zermatt, nicht bei der Heli Gotthard. Doch der lang gehegte Wunsch, inmitten von Transport-, Rund- und Rettungsflügen schien zum Greifen nah und so bewarb ich mich auf die Stelle.
Die Arbeit in der Einsatzleitung einer so grossen Unternehmung stellte ich mir vielseitig, lebendig, herausfordernd, dynamisch und intensiv vor. Dass Aufträge koordiniert, Crews instruiert und die Zeit sinnvoll geplant werden muss, nun so habe ich mir das vorgestellt.
Was jedoch alles zusammenspielen muss, damit ein Tagesprogramm erfolgreich durchgeführt, alle geltenden Richtlinien eingehalten, zeitgleich mehrere Rettungseinsätze koordiniert werden können, davon hatte ich keine Vorstellung. Selten wird ein Tag so, wie er anfänglich geplant war. Und die Tagesprogramme stimmen oft bereits frühmorgens, nach einigen Aufträgen, nicht mehr mit dem ursprünglich und vorsichtig konstruierten Plan überein.
Flexibilität ist das A und O.
Als Drehscheibe zwischen Transportkunden, Fluggästen, Patienten, Piloten, Flughelfern, Technikern und Rettungskräften sind wir Einsatzleiter ständig gefordert. Es gilt, die Balance zu finden zwischen verschiedenen Ansprüchen und optimalen Lösungen für alle Beteiligten, auch für uns. Sei es nun, um die Transportaufträge in einer für Flughelfer und Piloten sinnvollen Reihenfolge zu planen, die Kundenbedürfnisse zu respektieren oder alles auf den Kopf zu stellen, damit eine verletzte Person die schnellst mögliche Hilfe erhält – oder eben, eine Hütte bei aufklarendem Wetter doch noch mit ihren Lebensmitteln zu versorgen. Dazu gehört auch, bei Taxiflügen Wetterchecks durch die Piloten anzufordern und entsprechend das Handling oder eine Alternative zum Flug zu organisieren, sollte sich das Wetter als nicht flugtauglich herausstellen. Oder die optimale Einsatzplanung der Helikopter mitzugestalten, damit jede Maschine für ihre regelmässigen Kontrollen fristgerecht in der Technik ankommt – jedoch nicht ohne zu schauen, dass trotzdem an allen Standorten genügend Maschinen zur Verfügung stehen.
«Ein Job, den ich immer schon tun wollte.»
Es ist an uns Einsatzleiterinnen und Einsatzleitern, die Crews auf dem Feld umzudisponieren, drängenden Kunden auch bei kurzfristigen Anfragen die beste Lösung zu bieten oder Rundfluggästen bei allerlei Fragen geduldig Rede und Antwort zu stehen. Nichts was wir tun betrifft nicht auch einen anderen Bereich oder eine andere Anspruchsgruppe. Möglich ist dies nur durch eine gute Kommunikation, ein funktionierendes Team und der Flexibilität auf allen Seiten.
Und genau das ist das faszinierende an dieser Arbeit. Denn, wenn abends alle geplanten Rund- oder Taxiflüge durchgeführt, alle Transportaufträge erledigt, Leben gerettet werden konnten und gleichzeitig im Team eine gute Stimmung herrscht, weiss ich, weshalb ich dies «immer einmal tun wollte». Und dass die Vorstellung manchmal von der Realität übertroffen wird!

Die Einsatzleitung zu viert in der Zentrale.
Von links: Louis Cotting, Sarah Pfaffen, Lara Wiesmann und Sonja Heer. Zwei übernehmen Funk und Kasse, die anderen Beiden sind im Backround beschäftigt.











